Autonomes Fahren in der Schweiz: Neue Regelungen ab 2025
Seit dem 1. März 2025 gelten in der Schweiz neue Gesetze für automatisiertes und selbstfahrendes Fahren. Kantone können zudem autonome Fahrzeuge auf bestimmten Strecken zulassen, etwa für selbstfahrende Busse oder Transportdienste.
Gemäss ASTRA (Bundesamt für Strassen) sind drei Anwendungsfälle erlaubt:
- Lenkerinnen und Lenker eines automatisierten Fahrzeugs dürfen auf Autobahnen einen Autobahnpiloten verwenden, müssen aber jederzeit eingreifen können.
- automatisiertes Parkieren ohne Anwesenheit eines Fahrzeuglenkenden innerhalb dafür definierter und signalisierter Parkhäuser und Parkplätze.
- ein Einsatz von führerlosen Fahrzeugen auf behördlich genehmigten Strecken.
-> Details zu den einzelnen Anwendungsfällen entnimmst du der Medienmitteilung des Bundes (Link oben).
Kantone haben zudem die Möglichkeit, bestimmte Strecken für führerlose Fahrzeuge freizugeben. Das betrifft vor allem Anwendungen wie autonome Busse oder Transportfahrzeuge in vordefinierten Gebieten, etwa in Städten oder auf Firmengeländen. Besonders im Bereich der Logistik und des öffentlichen Verkehrs wird mit ersten Pilotprojekten gerechnet.
Ein zentrales Element der neuen Regelungen ist die Pflicht zur Typengenehmigung für Fahrzeuge mit Automatisierungssystemen. Hersteller müssen nachweisen, dass Sicherheit und Verkehrsfluss gewährleistet bleiben.
đźš— Stufen des autonomen Fahrens
- Stufe 0: Kein Assistenzsystem -> Fahrer:in steuert komplett selbst
- Stufe 1: Teilautomatisierung (z. B. Tempomat, Spurhalteassistent)
- Stufe 2: Assistiertes Fahren -> das System ĂĽbernimmt teilweise die Steuerung
- Stufe 3: Bedingte Automatisierung –> Fahrer:in kann sich abwenden, muss eingreifen können
- Stufe 4: Hochautomatisiert –> das Auto fährt selbst, Fahrer:in ist optional
- Stufe 5: Vollautomatisiert –> kein Lenkrad, kein Fahrer:in nötig
Pilotprojekt im Kanton ZĂĽrich
Trotz der neuen Gesetze sind in der Schweiz bislang keine Autos mit autonomem Fahren der Stufe 3 zugelassen. Hersteller haben noch keine Zulassungen beantragt, obwohl ihre Technologien in anderen Ländern bereits aktiv genutzt werden. Gründe dafür sind unter anderem strenge Sicherheitsanforderungen sowie regulatorische und infrastrukturelle Hürden.
In den nächsten fünf Jahren dürften Pilotprojekte mit selbstfahrenden Shuttles, autonomen Taxis und Lieferrobotern verstärkt getestet werden. Wie zum Beispiel im Kanton Zürich. Wie SRF berichtet, läuft in vier Zürcher Gemeinden ein Pilotprojekt von Swiss Transit Lab und SBB. Autos befördern dabei autonom Menschen. «Sie haben keinen Sicherheitsfahrer mehr im Fahrzeug drin, sondern die Fahrzeuge sind in der Lage, sich vollständig im Verkehr zu bewegen, werden aber immer permanent aus der Ferne dabei überwacht», so Matthias Rödter vom Swiss Transit Lab gegenüber SRF.
Eine baldige flächendeckende Einführung privater autonomer Fahrzeuge ist unwahrscheinlich. Hauptgründe sind hohe Kosten, mangelnde Infrastruktur sowie gesellschaftliche Akzeptanz. Die meisten Experten rechnen damit, dass zuerst autonome Mobilitätsdienste – also Carsharing-Modelle oder Robotaxis – eingeführt werden, ehe Privatpersonen vollautonome Fahrzeuge erwerben können.
Autonomes Fahren in Europa: Deutschland als Vorreiter
Unser nördliches Nachbarland ist diesbezüglich etwas weiter. Die EU hat bereits 2022 die rechtlichen Voraussetzungen für selbstfahrende Autos geschaffen. Eine UN-Regelung von 2023 erlaubt automatisierte Fahrten bis 130 km/h mit Spurwechselautomatik. Deutschland gilt als Vorreiter und ermöglicht durch sein Gesetz zum autonomen Fahren bereits heute den Einsatz autonomer Fahrzeuge der Stufe 4 im öffentlichen Strassenverkehr. Mehr zum Thema Förderrichtlinie Autonomes und vernetztes Fahren in öffentlichen Verkehren.
Autonomes Fahren weltweit: Wo selbstfahrende Autos bereits im Einsatz sind
Und wie schaut es anderswo auf der Welt aus? In den USA haben Bundesstaaten wie Kalifornien und Nevada früh gesetzliche Rahmenbedingungen für autonomes Fahren geschaffen. China investiert massiv in selbstfahrende Fahrzeuge und betreibt Testzonen in mehreren Städten. In Japan sind autonome Shuttles bereits im Einsatz, während Grossbritannien seine Gesetzgebung für selbstfahrende Autos bis zur Stufe 4 anpasst.
Dein Kommentar